Heinrich Seuse, lateinisch Suso genannt, gehört neben seinem berühmten Lehrer Meister Eckhart und dem ebenfalls dominikanischen Mystiker Johannes Tauler zum Dreigestirn der sog. Deutschen Mystik. Vermutlich 1295 in Überlingen (im Suso-Haus) oder Konstanz geboren, trat er ca. 1308 ins Dominikanerkloster (heute Inselhotel) in Konstanz ein, durchlief dort die ordensübliche Ausbildung und lernte danach im Studium generale seines Ordens in Köln Meister Eckhart kennen, dessen mystische Lehre ihn nachhaltig beeinflußte.

Eine fast unbekannte Seite unseres Christseins im Alltag hat der Theologe Karl Rahner in dem Satz eingefangen: „Der Christ der Zukunft wird ein Mystiker sein, oder er wird nicht mehr sein"! Was ist an mystischem Christsein so wichtig, dass damit seiner Meinung nach alles steht und fällt?

Heinrich Seuse (Suso), mittelalterlicher Mystiker und Dominikaner, geboren als Heinrich von Berg am 21.03. 1295 oder 1297 in Überlingen (Suso-Haus) oder Konstanz, gestorben am 25.01. 1366 in Ulm.

Seuses Eltern sind weitgehend unbekannt; aus Verehrung für seine ihn religiös prägende Mutter nannte sich Heinrich nach deren Geschlecht Sus oder Süs. Eine Schenkung der Eltern ans Inselkloster in Konstanz anlässlich der vorzeitigen Aufnahme Seuses hat in ihm eine langjährige Gewissensnot hervorgerufen, von der ihn erst Meister Eckhart befreite.

Seuses drei Monographien und einen Briefkorpus umfassendes „Exemplar" (eine Ausgabe seiner deutschsprachigen Schriften letzter Hand, ca. 1362/63 in Ulm zusammengestellt, siehe Link „Biographie") schließt erstens das als eine indirekte Verteidigung der mystischen Lehre Meister Eckharts konzipierte „Büchlein der Wahrheit" (zwischen 1327 und 1329 verfaßt) ein, in dem Seuse die theoretische Seite seines mystischen Wissens darlegt. Hierzu gehören:

 
   
Ich
  nahm vor
 meine innre Augen
 mich selber nach allem dem,
 was ich bin, mit Leib und Seele und
 allen meinen Kräften, und stellte um mich
 alle Kreaturen, die der Allmächtige je erschuf in
Himmelreich und in Erdreich und in den vier Elementen;
 ein jegliches sonderlich mit Namen, es wäre Vogel der Lüfte, Tier
 des Waldes, Fisch des Wassers, Laub und Gras des Erdreichs und das 
unzählig  Sand in dem Meere; und darzu alles das klein Gestäube
 das in der Sonnen Glanz scheinet, und alle die Wassertröpflein,
 die von Tau oder von Schnee oder von Regen je gefallen
 oder je noch fallen; und wünschte, dass dero ein
 jegliches hätte ein süsses, aufdringendes
 Saitenspiel, wohl angeschlagen aus
 meinem innersten Herzen, und
 also aufklänge ein neues
 hochgemutes Lob
 von Ewigkeit
zu Ewig-
keit.


Heinrich Seuse (1295 - 1366)